Torschützenregelung wird zum Stolperstein!
Lange Gesichter nach ungefährdetem Sieg in Neuenbürg
Was hat Dänemark und unsere E1 gemeinsam? Beide haben am Wochenende ihr Spiel mehr oder weniger deutlich gewonnen. Was ist der Unterschied? Während Dänemark, wie im Sport üblich, mit dem Sieg und hier dem EM-Titel belohnt wurde, bekam unsere E1 für eine starke Leistung mit deutlichem Sieg null Punkte und standen da wie begossene Pudel. Doch der Reihe nach.
Wer die Tabelle der Schwarzwald-Rhein - gemischte E-Jugend Bezirksklasse Staffel 1 anschaut der könnte denken, es handelt sich um eine ausgeglichene Klasse, in der 3 Teams die Saison noch als Erster abschließen können. Das allerdings ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich ist es so, dass die E1 des TVI die Klasse deutlich dominiert und jedes Spiel mehr oder weniger klar gewonnen hat. Der aktuelle Tabellenzweite HCN 2000 hat bereits 3 Handballspiele sportlich (also nach der Regel „Team mit meisten Toren gewinnt“) verloren, aber in der Tabelle nur 1 Minuspunkt mehr als unsere E1, die wie bereits erwähnt jedes Spiel gewonnen hat. Es ist vernunftbegabten Menschen kaum erklärbar, wie so eine Konstellation zustande kommt. Unfassbar.
Was am Samstag in Neuenbürg sich ereignet hat, war wieder ein Paradebeispiel für gut gemeinte Ungerechtigkeiten, die der BWHV sich für die E-Jugend neben der Wertung der Koordinationsübungen hat einfallen lassen.
Zur Erklärung. Bei einem Sieg steht die E1 quasi als Staffelmeister fest.
Der Sieg auf der Anzeigetafel ist ungefährdet, obwohl wichtige Säulen zusätzlich krankheitsbedingt ausfielen. 22:18 für den TVI steht da geschrieben. Der Sieg war zu keiner Zeit gefährdet. Das Horn ertönt, die Kinder des TVI freuen sich. Die Gastgeber, die auch sehr gut gespielt haben und ordentlich gegen gehalten haben, sind entsprechend geknickt. Doch dann das Wunder für den HCN 2000 und der sprichwörtliche Dampfhammer für die Ispringer Kinder. Ja, der TVI hat ja nur 8 Torschützen von seinen 10 Spielern, während die Gastgeber auf starke 10 Torschützen von ihren 14 Spielern kommen.
Und upps, jetzt hat die gefühlte BWHV-Regelungen §236c zum Kinderhandball zugeschlagen, die dann den Effekt hat, dass es lange Gesichter zunächst mal überall gibt. Toll. Neuenbürg blickt nicht, dass sie Sieger sind, Ispringer Kinder verstehen die Welt nicht mehr.
Großeltern und Eltern wundern sich. Ja, warum freuen die sich denn nicht? Und auch die Eltern der Gastgeber machten nicht den Eindruck, die Situation einordnen zu können. Ein emotionaler Totalschaden!
Tja. Klasse, so kann man zusätzlich zum Kordiquatsch richtig die Kinder frustrieren und irritieren. Wer freut sich denn da, wenn er so gewinnt und wie frustrierend ist das für die tatsächlichen Sieger? Was für einen Lerneffekt soll das bitte für Kinder haben?
Die Torschützenregelung gibt ja in vielen Teilen auch Sinn, aber die Frage eines Opas, warum bei den Koordinationsübungen nur 7 Kinder zählen während im Handball das Team Vorteile hat, das den breiteren Kader stellt und auf mehr Torschützen kommen könnte, konnte ich nicht beantworten.
Mein Vorschlag: ein Team besteht aus 7 Spielern und der maximale Torschützenfaktor liegt bei 7. Oder der Faktor zählt bei Unentschieden. Ansonsten muss eine Mannschaft die warum auch immer mit 6+1 antritt schon massiv überlegen sein, um den Platz auch durch die Wertung als Sieger zu verlassen.
Und wenn nochmal einer erzählt, den Kindern wäre egal wie ein Spiel ausgeht, der hätte mal in unsere Kabine kommen und in die Gesichter schauen sollen.
Nur weiter so.
Vielleicht noch mehr Wertungen und Koeffizienten? Man könnte ja eine Quadratwurzel aus den Geburtsjahren aller Kinder nehmen, und die dann mit der Anzahl der Pfostentreffer [Abhängung zählt nicht bzw. zählt je nach Schiedsrichter, Verein. Lust und Laune] multiplizieren. Und das Team, das dann da mehr Punkte hat gewinnt einfach unabhängig vom Handballergebnis und den Kordis einen Punkt.
Ich habe aber noch einen irren Vorschlag. Wir orientieren uns an andren Sportarten wie Fußball, Eishockey oder Tennis, der mit den meisten Punkten gewinnt. Klingt natürlich vollkommen absurd und wäre im schlimmsten Fall für Kinder und Eltern nachvollziehbar, aber vielleicht könnte man so vermeiden, dass Eltern sich auf der Tribüne wundern warum ihr Kind nach einem ungefährdeten Sieg sich nicht freut.
Ich habe nicht nachgerechnet, aber vielleicht hätte Deutschland ja das Finale gegen Dänemark mit der Torschützenregelung gewonnen? Die Dänen, und jeder der das Spiel angeschaut hat, hätte sicherlich Verständnis für das dann wahnwitzige Endergebnis gehabt. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, ob die Dominanz der Dänen so zu brechen wäre?
Und, wie gingen eigentlich die Koordinationsübungen nach dem Finale aus?
Es spielten für den TVI: Mina Wirth (2), Eymen Deligöz (4), Yael Gacem (4), Anton Schneider (6), Oskar Nagel (1), Semih Kocaman, Lukas Geissel (1), Hanna Händler, Ben Bürkle (2), Elijah Beck, Sara Pfisterer (2)

